Sa. 14.00 Uhr: Holstein Kiel – FC St. Pauli

Das Nordderby Holstein – St. Pauli

Der Countdown läuft

„Nein, mit dem Spiel und auch mit dem Ergebnis kann man nicht zufrieden sein“, kommentierten die Verantwortlichen der FC St. Pauli – Homepage das magere 0:0 im Stadtderby gegen den Hamburger SV II. Ähnlich sah es auch Chefcoach Andreas Bergmann: „Wir haben es erneut verpasst, eine Chance wahr zu nehmen um einen befreienden Schritt nach vorne zu machen“. Im zweiten Durchgang bemängelte Bergmann vor allem die fehlenden Emotionen seiner Kicker. „Je mehr Zeit verstrich, desto größer wurde der Druck und mein Team wurde zunehmend nervöser“. „Wir werden intern in den Gesprächen einiges zu klären haben“, kündigte Bergmann nach der neuerlichen Enttäuschung an.

Nach drei Jahren in der Regionalliga Nord sollte in dieser Saison eigentlich die Rückkehr in die 2. Bundesliga gelingen. Doch nach dem missglückten Auftakt des FC St. Pauli wurde die Kritik an Trainer Andreas Bergmann in den letzten zwei Monaten lauter denn je. Lange Zeit hatte Sportchef Holger Stanislawski seinem Coach den Rücken gestärkt, doch nach dem ernüchternden Remis beim BSV Kickers Emden am 23. September ging “Stani“ auf Distanz zum Trainer. „Das war ein katastrophales Fußballspiel. Das hatte höchstens mittleres Oberliga-Format. Bis auf fünf, sechs Situationen hatte das Gebolze mit Fußball nichts zu tun“, ließ Ex-Profi Stanislawski seinem Frust freien Lauf. Was folgte war eine hitzig geführte Trainerdiskussion in den Medien und hinter den Kulissen des Hamburger Kultclubs. Am Ende der wohl schwierigsten und nervenaufreibendsten Tage in seiner bisherigen Amtszeit verkündete der Sportliche Leiter des FC St. Pauli nach intensiven Gesprächen mit dem Trainerstab und Präsident Corny Littmann: „Andreas Bergmann bleibt Trainer des FC St. Pauli. Das ist eine klare Aussage.“

Wieder einmal stürmische Zeiten am Millerntor. Dabei war man doch zu Saisonbeginn so zuversichtlich gewesen. Mit Stendel (Hannover 96), Bruns (Alemannia Aachen) und Takyi (Hamburger SV II) hatte die Abteilung Attacke erheblich an Qualität gewonnen. Defensiv galt Rothenbach (kam vom Karlsruher SV) als Stammplatzkandidat. Auf der Seite der Abgänge fielen allenfalls Torwart Hollerieth (Ziel unbekannt), Gunesch (Mainz 05) und Palikuca (Fortuna Düsseldorf) ins Gewicht. Bergmann wollte das Spieltempo seiner Elf im Vergleich zur vergangenen Saison erhöhen. Hatte man aber im Vorfeld gehofft, durch die gezielten Verpflichtungen Ausfälle besser verkraften zu können, so gerieten die Braun-Weißen aufgrund zahlreicher Verletzungen schon bald in eine schwere Personalmisere. Darüber hinaus entbrannte immer wieder die Diskussion um das Torhüterpersonal, das seit dem Abgang von Achim Hollerieth laut Expertenmeinung allenfalls Oberliga-Potenzial besitzt.

Der Druck auf Bergmann bleibt weiter riesengroß. Der Trainer wird immer noch am Aufstiegsziel gemessen. Und auch die Fans sind erheblich kritischer geworden. Nach der 0:3-Pleite bei Union Berlin verweigerten die Anhänger ihrer Mannschaft die üblichen „Zuwendungen“ und beschimpften ihre (einstigen) Fußball-Helden sogar. Ein ganz neues St. Pauli-Gefühl. Erst zwei Zähler holte St. Pauli in dieser Saison auf des Gegners Platz. Gelingt der Bergmann-Elf ausgerechnet im vollbesetzten Holstein-Stadion der große Wurf? (nawe)

Für den FC St. Pauli spielten zuletzt:

Borger – Lechner, Morena, Eger, Rothenbach – Schultz, Boll (74. Braun), Meggle (63. Bruns), Takyi – Luz, Mazingu-Dinzey (81. Lange)

Foto: Holstein-Fan Christian Tzschöckel freut sich wie alle Kieler auf das Nordderby

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