Souveränität contra Elfmeterfluch

Holstein weiter im Höhenflug

Elfmeter als Wachmacher oder gar als dringende Warnung, zukünftig die sich bietenden Torchancen konsequenter in Zählbares umzumünzen? Die Frage nach dem dritten Strafstoß, der in der laufenden Saison gegen die Störche gepfiffen wurde, beantwortete Holstein-Coach Peter Vollmann nach dem souveränen Auswärtssieg in Hannover folgendermaßen: „Ein Elfmeter hinterlässt bei Fußball-Mannschaften immer einen psychologischen Eindruck, für mein Team bisher allerdings im positiven Sinne.“

Der Kieler Trainer wollte zwar nach dem unglücklichen Handspiel von Christian Jürgensen nicht bestätigen, dass erst der Anschlusstreffer der „Roten“ seine Störche wieder besser ins Spiel finden ließ, doch einen Tick mehr Wachheit direkt nach dem Wiederanpfiff sowie den entscheidenden Tick mehr an Abgebrühtheit vor des Gegners Tor hätte sich der Fußball-Lehrer aus Ost-Westfalen dann doch gewünscht. „Gegen Altona, Chemnitz und Hannover haben wir uns nicht durch Gegentreffer irritieren lassen“, sieht Vollmann inzwischen allerdings ein erhebliches Maß an Ruhe, Abgeklärtheit und Souveränität bei seiner Mannschaft.

Auch mit seinen Personalentscheidungen lag Vollmann in der AWD-Arena goldrichtig. Mit dem stabilen Heiko Petersen für den gesperrten Matthias Hummel auf der rechten Seite, dem in Hannover grundsoliden Thorsten Rohwer für den etwas offensivfreudigeren und zuletzt vor heimischer Kulisse bevorzugten Hendrik Großöhmichen sowie erneut Tim Wulff als Sturmpartner von Jan Hoffmann zog Vollmann den immerhin mit vier Akteuren aus dem Profikader angetretenen Niedersachsen den Zahn. Darüber hinaus lieferte der vor der Saison als „Wunschspieler“ von Vollmann an die Förde gelockte Alexander Nouri sein bisher bestes Spiel im Trikot der KSV Holstein ab.

„Wir haben einfach einen Lauf, gewinnen die Spiele souverän und lassen uns nicht beirren“, so Ex-Zweitliga-Profi Nouri, der im Kieler Mittelfeld die Fäden fest in der Hand hielt und bis jetzt alle Erwartungen, die mit seiner Verpflichtung verbunden waren, voll erfüllen konnte. Gemeinsam mit „Mr. Doppelpack“ Tim Wulff – der ehemalige Büdelsdorfer traf gegen Altona und Hannover jeweils zweimal ins Schwarze – war Nouri der Garant für den vierten Auswärtssieg der laufenden Saison.

„Das wird hier heute eine ganz schwere Angelegenheit für Euch“, hatte der Ex-Storch und heutige 96-Bundesliga-Assistent Dirk Bremser vor dem Anpfiff noch prognostiziert. Die KSV Holstein entwaffnete die Reserve der „Roten“ jedoch frühzeitig mit spielerischen und auch kämpferischen Mitteln und ließ keinen Zweifel an ihren sportlichen Ambitionen in dieser Saison.

Und auch die rund 250 Kieler Fans – Bundesligist 1899 Hoffenheim war am Tag zuvor mit nur 50 Anhängern nach Hannover gereist – verlebten in der WM-Arena einen angenehmen Fußball-Nachmittag. Nach nunmehr sieben Siegen in Folge – das gab es zuletzt in der Vorrunde der Saison 2005/06 – brennen die Holstein-Anhänger auf die Reise ins ehemalige Ostseestadion nach Rostock und trotz der unerfreulichen Anstoßzeit von 15.00 Uhr noch viel mehr auf das absolute Spitzenspiel am 29. Oktober gegen den SV Babelsberg.

„Die 03er hauen wir weg“, versprach 96-Coach Andreas Bergmann, der am kommenden Freitag mit seinem Team bei der Demuth-Elf antreten muss. Worte, die wie Musik in den Ohren der Holstein-Fans klingen müssten. (Patrick Nawe)

Foto: Ein Anblick, den die Kieler Fans gestern genießen durften. Die Anzeigetafel in der AWD-Arena unterstreicht die gelungene Vorstellung der Störche in Hannover.

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