VfB Lübeck – Holstein Kiel 0:3 (0:1)

Holstein mit Paukenschlag im Landesderby /

Neubarth-Elf erobert Tabellenführung zurück

Schon ein Remis beim Tabellenführer VfB Lübeck hätte die Kieler Konkurrenz am 18. Spieltag der Fußball-Regionalliga Nord aufhorchen lassen. Der deutliche 3:0-Erfolg im Landesderby allerdings ist ein wahrer Paukenschlag. Holstein Kiel avancierte durch den Sieg im Prestigeduell endgültig zu einem der heißesten Kandidaten für den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Vor der Saison-Rekordkulisse von 13.100 Zuschauern sorgten die „Störche“ durch die Tore von Michael Molata (27./90.) und Pavel Dobry (87.) für einen Freudentaumel bei den rund 2.000 mitgereisten Holstein-Fans auf der Lohmühle.

Die Grün-Weißen mussten im 104. Landesderby gleich den Ausfall von 8 (!) Stammspielern verkraften, denn zu allem Überfluss musste auch der zuletzt so treffsichere Torjäger Enrico Neitzel kurz vor Beginn des Spiels angeschlagen passen. Trotz der herben Schwächung legte die Böger-Elf nicht nur ein beachtliches Tempo vor, sondern kompensierte die personelle Schieflage im ersten Durchgang durch Teamgeist und engagiertes Auftreten. Der VfB machte deutlich, warum man die bisher acht Heimspiele der Saison für sich entscheiden konnte. Die Lübecker erarbeiteten sich Torchancen förmlich im Minutentakt. Erst verpasste Streit um einen Schritt nach einem Pass von Hesse (3.) und nur eine Minute später köpfte Schröder das Leder nach einem Freistoß von Hirsch knapp links neben das Tor. Durchatmen bei der KSV Holstein, die nur zwei Minuten später durch einen Schlenzer von Lindemann VfB-Keeper Frech zum ersten Mal prüfen konnte. Lübeck besaß weiter die größeren Spielanteile, zeigte sich mitunter sogar dominant, während Holstein sich auf Konter verlegte. Einen dieser Konter unterband VfB-Routinier Hirsch in der 27. Minute durch ein Foul an Lindemann. Den fälligen Freistoß trat KSV-Kapitän Breitenreiter in den Strafraum und Würll kommt im 5-m-Raum zum Schuss. Kann Frech zweimal reflexartig parieren, so ist er gegen den Abstauber des aufgerückten Abwehrchefs Michael Molata machtlos. Riesenjubel beim Kieler Anhang, Niedergeschlagenheit und Trauer ob der vergebenen Möglichkeiten auf Seiten der Lübecker.

Der VfB ließ sich dennoch nicht lange aus dem Konzept bringen, auch wenn das aggressive Pressing häufig einem kopflosen Anrennen ähnelte. Die zahlreichen Ausfälle machten der Böger-Elf immer mehr zu schaffen und nahmen den Aktionen der Grün-Weißen die Durchdachtheit. Der gesperrte Spielmacher Möckel fehlte nun an allen Ecken und Enden.

Doch Lübeck besaß weitere Möglichkeiten. Hesse verpasst aus 10 Metern nach einem Dogan-Freistoß (37.), Holsteins überragender Torhüter Preuß entschärft einen Karadas-Schuss aus 18m (39.) und auch Streit trifft den Ball nach einer Vorarbeit von Hesse nicht richtig (41.). Es blieb bei der schmeichelhaften Pausenführung für die Gäste.

Im zweiten Durchgang entwickelte sich eine sehr kampfbetonte Partie, in der Lübeck jetzt alles auf eine Karte setzte. In der 55. Minute fordern die VfB-Fans nach einem Foul von Rohwer an Karadas vehement Elfmeter, doch die Körperberührung selbst fand eindeutig außerhalb des Kieler Strafraumes statt. Die Situation genügte aber, um die sichtlich erregten Gemüter der Zuschauer noch weiter zu erhitzen. Lübeck gelang es trotz der optischen Überlegenheit einfach nicht, den Angriffsschwung in Zählbares umzumünzen. Und dieses große Manko wussten die Gäste aus der Landeshauptstadt in der Schlussphase der Partie im Stile einer echten Klassemannschaft zu bestrafen. Der umsichtige KSV-Kapitän Andre Breitenreiter, der noch in der 82. Minute völlig freistehend nach einem Lindemann-Freistoß an VfB-Schlussmann Frech gescheitert war, bediente den unnachahmlich durchstartenden Dobry, dieser ließ den konsternierten Hirsch einfach stehen und sorgte mit seinem 8 Saisontor (87.) für die Entscheidung an der Lohmühle. Das 3:0 für Holstein durch den Kopfball von Molata vom langen Pfosten aus nach Eckball Lindemann ging da schon fast im Kieler Freudentaumel unter.

„Es war ein sehr enges Spiel mit viel Zittern. Durch den Sieg in der „Höhle des Löwen“ sind wir jetzt auch glücklich über den Tabellenstand“, zog Holstein-Coach Frank Neubarth nach den nervenaufreibenden 90 Minuten von Lübeck ein treffendes Fazit. Holstein Kiel landete den ersten Sieg an der Lübecker Lohmühle seit 12 Jahren und steht nun vor dem VfB Lübeck wieder an der Tabellenspitze der Regionalliga Nord. Der von den Holstein-Fans eigens gecharterte Sportflieger, der in der ersten Viertelstunde des Spiels sehr zum Ärger der VfB-Fans ein Spruchband mit der Aufschrift „Und hier regiert die KSV“ über dem Stadion kreisen ließ, war somit also ein gutes Omen für die Kieler „Störche“. (nawe)

VfB Lübeck – Holstein Kiel 0:3 (0:1)

Lübeck: Frech – Türkmen, Schröder, Hirsch, Dogan – Hesse, Rump (60. Zimmermann), Kullig, C. Streit – Karadas (83. Bruhn), Bärwolf – Trainer: Böger

Kiel: H. Preuß – Spasskov, Boy, Molata, Rohwer – Paulus (43. Grieneisen), Niedrig, Breitenreiter, B. Lindemann – Würll, Dobry – Trainer: Neubarth

Tore: 0:1 Molata (27.), 0:2 Dobry (87.), 0:3 Molata (90.)

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)

Zuschauer: 13100

STIMMEN ZUM SPIEL:

Frank Neubarth (Trainer Holstein Kiel)

„Wir haben heute ein sehr kampfbetontes, spannendes Spiel gesehen, in dem viele Emotionen drin waren. Dies war auch zu erwarten, denn es ging um den 1. Tabellenplatz. Lübeck hat gut begonnen und wir waren nicht aufmerksam genug. Doch insgesamt haben wir in der 1. Halbzeit nicht viel zugelassen. Wir haben viel Glück gehabt und waren sehr stabil in der Abwehr. Durch die Konter am Ende fielen dann auch noch die letzten Tore. Es war ein sehr enges Spiel mit viel Zittern. Durch den Sieg in der „Höhle des Löwen“ sind wir jetzt auch glücklich über den Tabellenstand.“

Stefan Böger (Trainer VfB Lübeck)

„Wir haben in den letzten Wochen nicht so gut gespielt wie heute. Wir haben zahlreiche Torchancen nicht genutzt. Trotz alle dem sind wir optimistisch, dass wir unseren Weg weitergehen. Natürlich wünsche ich mir klarere Ordnung. In den letzten Minuten hingen wir dann mit den Kräften hintendran. Das Ergebnis ist nicht gerecht.“ (hh)

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