Bild zum Artikel: Das doppelte Jubiläum
Jahrzehntelange Männerfreundschaft (v. li.): Holsteins Urgestein Thorsten Neumann, Clubhistoriker Patrick Nawe und KSV-Ikone Immo Stelzer.

Das doppelte Jubiläum

DFB-Pokal-Spiele umgibt eine gewisse Magie. Sieg oder Niederlage, hopp oder top, siegen oder fliegen – in diesen Do-or-die-Duellen fällt im Gegensatz zum gewöhnlichen Ligabetrieb am Ende stets eine Entscheidung. Kein Wunder, dass nicht nur viele Holstein-Fans, sondern auch unser Vereinshistoriker Patrick Nawe sich schon sehr auf das anstehende Gastspiel in der ersten Runde des diesjährigen Pokalwettbewerbs beim TSV 1860 München am kommenden Samstag, dem 22. August, um 18 Uhr freuen. Das liegt natürlich an dem Charakter des Pokalspiels an sich, für Nawe ist die Begegnung aber darüber hinaus gleich aus mehreren Gründen besonders.

Zuallererst wäre da die überaus bemerkenswerte Tatsache, dass Nawe im Jahre 1983 sein erstes DFB-Pokal-Spiel mit KSV-Beteiligung besuchte – und seitdem keinen (!) einzigen Pokalauftritt unserer Störche verpasste. „Ich war neun Jahre alt und habe in der Schülermannschaft von Holstein gespielt. Wir durften das Vorspiel machen, so etwas gab es damals noch relativ häufig. Danach folgte dann das Spiel der Ligamannschaft gegen Bayer 05 Uerdingen“, erinnert sich der heute 52-Jährige noch lebhaft an sein erstes Pokalabenteuer mit der KSV. Weitere sollten folgen – die Partie bei den Münchner Löwen am Samstag wird nun die 40. Pokalbegegnung inklusive aller Geisterspiele in Folge sein, bei der Nawe mit Holstein dabei ist. „Für mich ist es bis heute ein Privileg, dass ich Holstein-Ikonen wie Andi Köpke, Dietmar Tönsfeldt, Harry Witt, Toddi Neumann und vor allem auch Immo Stelzer noch live auf dem Rasen erleben durfte”, sagt der frühere Gymnasial-Lehrer für Geschichte und Englisch heute.

„In den 80ern, 90ern und 2000ern waren Pokalspiele für unseren Verein noch besonderer als heute, weil man als unterklassiger Klub stets Außenseiter war und wir daher vor dem Spiel immer von einer kleinen Sensation träumen durften. Hinzu kam, dass sich Holstein nur alle paar Jahre für den DFB-Pokal qualifizieren konnte. Dann war es für meinen Bruder Norman und mich immer ein Hauch vom großen Fußball, der nach Kiel kam und den wir nach dem Zweitliga-Abstieg 1981 vermisst haben“, blickt Nawe, der unweit des Holstein-Stadions aufwuchs, zurück. Sein letztes Spiel als Fan auf den Rängen erlebte unser heutiger Vereinshistoriker am 11. August 1996 – bei der 2:4-Niederlage in der ersten Pokalrunde gegen Eintracht Frankfurt. Anschließend war der gebürtige Kieler nicht mehr auf der Gegengerade, sondern als Fotograf am Spielfeldrand im Einsatz für den Verein zu finden. Nach vielen Jahren im KSV-Medienbereich übernahm Nawe im Oktober 2024 den Posten des Clubhistorikers. Seit nunmehr 30 Jahren ist er für unseren Verein tätig – und feiert somit bei seinem 40. Pokalspiel ein doppeltes Jubiläum.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es für Nawe natürlich zahlreiche Pokal-Highlights: Die Pokalsensation als drittklassiger Regionalligist im Jahre 2002 gegen den damaligen Bundesligisten Hertha BSC, vor der Nawe selbst noch nach Berlin fuhr und Hertha-Trainer Huub Stevens die Auswärtstickets überreichte. „Diesen Sieg siedele ich noch höher an als den gegen die Bayern im Jahr 2021, weil es ein Zwei-Klassen-Unterschied war und unsere Mannschaft zu 90 Prozent aus Schleswig-Holsteinern bestand“, ordnet das KSV-Urgestein ein. Unvergessen bleibt auch das Pokalmärchen in der Saison 2011/12, als Holstein ebenfalls als Regionalligist die höherklassigen Klubs Energie Cottbus, MSV Duisburg und 1. FSV Mainz 05 ausschaltete und erst im Viertelfinale am späteren Pokalsieger Borussia Dortmund scheiterte. „Damals hingen nach langer Zeit wieder vermehrt Schals aus den Fenstern und man merkte, dass hier in Kiel doch bald etwas passieren kann auf dem Weg Richtung Profifußball“, erinnert sich Nawe. Und so kam es auch: 2013 gelang der Aufstieg in die 3. Liga, 2017 der in die 2. Bundesliga und 2024 erstmals der Sprung in die Bundesliga, sodass Holstein mittlerweile selbst seit einigen Jahren im Lostopf der Profivereine zuhause ist. „Mittlerweile sind die Erstrundenspiele bei unterklassigen Gegnern, beispielsweise in Salmrohr, Verl oder Homburg, meine persönlichen Highlights geworden“, verrät Nawe und ergänzt: „Der Pokal ist immer Fußball-Romantik. Da denke ich an früher zurück.“

Nun also 1860 München, wo unsere Störche bereits in der Saison 2018/19 in der ersten Pokalrunde zu Gast waren – und sich letztlich mit 3:1 durchsetzten. Aus Nawes Sicht das perfekte Los: „Das Grünwalder Stadion ist eines meiner Lieblingsstadien, weil es in puncto Atmosphäre, Emotion und gewaltiger Historie so viel hergibt. Zudem schließt sich für mich der Kreis, weil ich 1983 als kleiner Junge mit meiner Schülermannschaft vor Immo Stelzer auf dem Platz stehen durfte – und wir jetzt zusammen nach München fahren.“

Hier gibt's noch mehr frische News