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Lehrreiche Saison in der Oberliga für Holsteins U23

65 Punkte, 20 Siege, fünf Niederlagen und fünf Unentschieden – die U23 von Holstein Kiel spielte insgesamt eine starke Saison in der Flens-Oberliga. Mit 83 erzielten Treffern und nur 26 Gegentoren stellten unsere Jungstörche zudem das beste Torverhältnis der Liga. Dennoch reichte es nach 30 Spieltagen nicht für die Qualifikation zu den Aufstiegsspielen in die Regionalliga Nord. Meister SV Todesfelde sicherte sich mit 77 Punkten Platz eins, Holstein musste sich mit der Vizemeisterschaft zufriedengeben.

Trotzdem überwog intern nicht die Enttäuschung, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass die Saison ihren wichtigsten Zweck erfüllt hat: junge Talente weiterentwickeln und an den Profibereich heranführen. Dominic Peitz, Direktor des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), zog deshalb ein positives Fazit: „Ich würde die Saison mit einer ‚2+‘ bewerten. Eine ‚1‘ wäre es gewesen, wenn wir die Chance gehabt hätten aufzusteigen. Die ‚2+‘ ist es, weil wir dafür gesorgt haben, wofür ein Nachwuchsleistungszentrum stehen sollte: Spieler entscheidend voranbringen.“

Umbruch nach dem Abstieg

Nach dem Abstieg aus der Regionalliga stand die U23 im vergangenen Sommer vor einem großen personellen Umbruch. Zehn Spieler verließen die Mannschaft, gleichzeitig blieb Cheftrainer Willi Weiße im Amt und erhielt weiterhin das Vertrauen der Verantwortlichen. Um die Grundlage für die neue Saison zu schaffen, reiste die Mannschaft, wie schon in den Vorjahren, ins Sommertrainingslager nach Skaerbaek in Dänemark. Dort sollte früh eine neue Teamdynamik entstehen.

Der Start in die Oberliga verlief allerdings alles andere als optimal. Mit einer deutlichen 1:5-Niederlage beim FC Kilia Kiel wurden die Jungstörche unsanft in der Liga begrüßt. Die Reaktion darauf fiel jedoch beeindruckend aus: Vier Siege in Serie brachten den Holstein-Nachwuchs schnell zurück in die Spur. Im ersten direkten Duell gegen Mitabsteiger Todesfelde setzte es allerdings die nächste Niederlage (0:2). Dazu ließ Holsteins U23 immer wieder in entscheidenden Spielen Punkte liegen – etwa beim torlosen Remis gegen den 1. FC Phönix Lübeck II am siebten Spieltag oder Mitte Oktober, beim 0:0 gegen den SV Eichede. Nach 19 absolvierten Spieltagen überwinterten die Jungstörche auf Tabellenplatz zwei – vier Punkte hinter Todesfelde. Die Ausgangslage war damit zwar nicht perfekt, aber weiterhin vielversprechend.

Winterpause mit Highlight

Ein echtes Highlight folgte Anfang des Jahres beim traditionsreichen LOTTO MASTERS in der ausverkauften Wunderino Arena. Dort präsentierten sich die Jungstörche von ihrer besten Seite und kämpften sich bis ins Finale, nachdem in den Vorjahren jeweils bereits in der Vorrunde Schluss gewesen war. Im Endspiel musste sich Holstein zwar erneut Todesfelde geschlagen geben (1:3), dennoch blieb vor allem der positive Gesamteindruck hängen. Co-Trainer Linus Schewior zeigte sich entsprechend angetan: „Wir wollten die Halle begeistern. Mich freut, dass uns das gelungen ist. Ich bin sehr stolz auf die Jungs.“

Auch Sven Boy, der zu diesem Zeitpunkt mit den Profis im Wintertrainingslager war, freute sich über den Erfolg der Mannschaft: „Ich habe das MASTERS zusammen mit Linus und unserem Torwarttrainer Niklas Jakusch vorbereitet. Die beiden haben es vor Ort gemeinsam mit den Jungs super umgesetzt. Dieser Erfolg war sehr wichtig für das gesamte Team und für Holstein, dass wir auch in diesem Rahmen mal wieder auf uns aufmerksam gemacht haben.“

Ugoh, Köster & Parduzi

Besonders wertvoll war die Saison für die individuelle Entwicklung mehrerer Nachwuchsspieler aus Holsteins Reihen. Bereits in der ersten Saisonhälfte hatte sich Louis Köster über starke Leistungen in der U23 für die Profis empfohlen. Der Offensivspieler stand anschließend in zwei DFB-Pokalspielen sowie drei Zweitligapartien auf dem Platz und erzielte gegen den VfL Bochum sogar einen Treffer, ehe er im Winter an den VfL Bochum II ausgeliehen wurde. Auch Ikem Ugoh schaffte in dieser Saison den entscheidenden Schritt zum Profidebüt. Das Eigengewächs, seit der U16 in Holsteins NLZ, stand unter Cheftrainer Tim Walter am 29. Spieltag beim 2:1-Auswärtssieg gegen Fortuna Düsseldorf erstmals in der 2. Bundesliga auf dem Rasen und das sogar direkt in der Startaufstellung. Anschließend folgten sogar noch sechs weitere Einsätze im Profibereich für das U23-Nachwuchstalent.

Am letzten Spieltag durfte schließlich auch Leon Parduzi erstmals Bundesliga-Luft schnuppern. Zuvor absolvierte der Jungprofi im Saisonverlauf 21 Spiele für die U23 in der Oberliga. Zudem rückte Mittelfeldspieler Lenny Borges immer näher an den Profikader heran, trainierte regelmäßig bei den Lizenzspielern mit und gehörte im Saisonendspurt mehrfach zum Spieltagsaufgebot. U23-Trainer Sven Boy sieht genau darin den entscheidenden Auftrag der U23: „Es ist enorm wichtig, Spieler weiterzuentwickeln und ihnen trotz Oberliga einen klaren Weg aufzuzeigen. Dafür war Ikem aus meiner Sicht das Best-Practice-Beispiel. Er ist auf sehr viel Spielzeit gekommen und hat gegen tiefstehende Gegner immer wieder neue Lösungen finden müssen.“

Trennung von Willi Weiße

Während sich die individuelle Entwicklung vieler Talente äußerst positiv darstellte, blieb die Mannschaft in der Liga ergebnistechnisch hinter den eigenen Erwartungen zurück. Acht Spieltage vor Saisonende zog der Verein deshalb Konsequenzen und stellte Cheftrainer Willi Weiße frei. Für den Endspurt übernahmen die Co-Trainer Sven Boy und Linus Schewior gemeinsam die Verantwortung. Ziel war es, nochmal neue Energie freizusetzen und mindestens Platz zwei zu sichern.

Eine ungewöhnliche Situation für Boy: „Das war ein besonderer und auch herausfordernder Moment für mich und die Mannschaft. Viele der Jungs kannten diese Situation einer Trainerentlassung aus dem Nachwuchs nicht. Da war es mir wichtig, ganz klare Worte zu finden und uns alle in die Verantwortung zu nehmen. Gleichzeitig habe ich schnell gemerkt, wie gut die Jungs mitgezogen haben und welche positive Dynamik dadurch entstanden ist.“

Die U23-Co-Trainer Sven Boy und Linus Schewior übernahmen die Mannschaft im März 2026

Platz zwei & emotionale Abschiede

Das Ziel blieb gleich: Platz zwei sichern, um für alle möglichen Szenarien vorbereitet zu sein. Unter Boy und Schewior blieb die Mannschaft schließlich ungeschlagen und ließ lediglich beim 1:1 gegen den SV Eichede Punkte liegen. Am Ende stand damit ein starker Saisonendspurt, der immerhin die Vizemeisterschaft sicherte.

Nach der Saison hieß es – wie so häufig in der U23 – Abschied nehmen. Besonders emotional wurde der Abgang von U23-Urgestein Laurynas Kulikas. Neben dem erfahrenen Mittelfeldspieler verlassen auch Finn Wirlmann, Lenny Borges, Etienne Sohn, Tim Spieckermann, Gustav Karimi, Lasse Soldanski und Enes Rüzgar den Verein.

Was bedeutet ein weiteres Jahr Oberliga?

NLZ-Direktor Peitz ordnete den verpassten Wiederaufstieg folgendermaßen ein: „Fakt ist, dass die Regionalliga für die Akquise und Spielpraxis auf höchstem Niveau als Unterbau der Profimannschaft sportlich das Richtige ist. Deswegen würden wir dort auch gerne wieder hinkommen. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass wir bewiesen haben, dass man junge Talente nicht zwingend über die Regionalliga an eine Profimannschaft heranführen muss.“

Dass der Kieler Weg konsequent weitergeführt wird, zeigt bereits der Blick auf die kommende Saison: Gleich neun Spieler rücken aus der U19 in die U23 auf. Zudem übernimmt mit Freddy Kaps ein neuer Cheftrainer aus dem eigenen Nachwuchs die Verantwortung. Damit sind beste Voraussetzungen geschaffen, um erneut eine junge, dynamische und entwicklungsfähige Mannschaft ins Rennen zu schicken.

NLZ Direktor Dominic Peitz blickt trotz verpasstem Wiederaufstieg positiv in die Zukunft

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