Holstein Kiel – St. Pauli 1:2 (0:1)

St. Pauli gewinnt Nordderby –

Niederlage im ausverkauften Holstein-Stadion –

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Für die KSV Holstein wird die Luft in der Fußball-Regionalliga-Nord dünner. Gegen den FC St. Pauli setzte es im Nordderby eine verdiente 1:2-Niederlage. Damit verloren die als Aufstiegsanwärter in die Saison gestarteten Kieler nach den Spielen gegen Union Berlin (0:4), und Bayer Leverkusen II (0:3) auch das dritte Heimspiel in Folge und rutschten in der Tabelle weiter ab. Dem FC St. Pauli hingegen genügte im ausverkauften Holstein-Stadion eine Durchschnittsleistung für den ersten Saisonsieg auf des Gegners Platz.

In der Anfangsphase viel Tempo auf beiden Seiten. Doch es zeigte sich frühzeitig, dass die Gäste vom Millerntor energische zur Sache gingen und mehr Zug zum Tor entwickelten. Holstein hielt robust dagegen und kassierte bereits in den ersten zehn Minuten zwei Verwarnungen für Mikolajczak und Molata. Die erste Schrecksekunde für die Kieler Fans in der 17. Minute. Nach einem Ballverlust im Mittelfeld eilte Luz mutterseelenallein auf KSV-Schlussmann Henzler zu, doch der ehemalige St. Pauli-Keeper warf sich mutig in den Ball und verhinderte so die Führung für die Bergmann-Elf. Nur drei Minuten später erneut Gefahr im Kieler Strafraum. Nach Abstimmungsschwierigkeiten in der Holstein-Deckung konnte letztlich erst Abwehrchef Molata gegen Schultz die Situation bereinigen. Der frühere Kieler im Trikot der Hamburger musste kurz darauf verletzungsbedingt das Feld für Arifi räumen. St. Pauli weiterhin bissiger und gefährlicher in Strafraumnähe. Außer durch einen Distanzschuss von Grieneisen (19.) hatten die Störche kaum einmal für Gefahr vor dem Tor von St. Pauli-Keeper Borger sorgen können. Fünf Minuten vor der Pause war es dann soweit. Nach einem langen Einwurf von Lechner köpfte Molata bei seinem Rettungsversuch am Leder vorbei und Takyi erzielte aus dem Gewühl heraus die durchaus verdiente Führung für die Hamburger. Die KSV in dieser Phase am Schwimmen, doch die Störche retteten zumindest den knappen Rückstand in die Kabine.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit machte Holstein dann mehr Druck, aber die besseren Möglichkeiten besaß weiterhin der FC St. Pauli. In der 52. Minute kam Braun nach einer schönen Hereingabe von Bruns einen Schritt zu spät gegen Henzler und Heithölter. Die beste Chance des Spiels für Holstein in der 59. Minute. Nach einer Ecke von Mikolajczak verpasste der aufgerückte Boy aus kurzer Distanz per Kopf den Ausgleich. Im direkten Gegenzug – die KSV-Abwehr war weit aufgerückt – verlor Bartels das Leder unglücklich im Mittelfeld, mit einem Pass hebelten die Braun-Weißen die Kieler Deckung aus den Angeln und Braun erzielte aus elf Metern höchst abseitsverdächtiger Position unhaltbar für Henzler das 2:0. Eine ganz bittere Pille für Holstein in dieser Phase des Spiels. Die Thomforde-Elf weiter bemüht. Kampf und Laufbereitschaft stimmten bei den „Störchen“, aber es mangelte einfach an Ideen und Durchschlagskraft, um selbst gegen die wenig überzeugende Millerntor-Elf etwas Zählbares zu Stande zu bringen. Erst dem eingewechselten Petersen gelang zehn Minuten vor dem Ende mit einem wuchtigen Kopfstoß aus elf Metern nach Vorarbeit von Bartels der Anschlusstreffer. Einen Bärendienst hatte kurz zuvor der Kieler Mikolajczak seiner Mannschaft erwiesen, denn der Ex-Schalker handelte sich nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte ein und schwächte so sein Team. Die zaghafte Drangphase der KSV in der Schlussphase überstand der FC St. Pauli letztlich souverän, hatte eine Minute vor dem Abpfiff sogar noch die große Chance zum 3:1, aber Lange, Takyi und Braun konnten sich zu selbst zu dritt nicht gegen den gut aufgelegten KSV-Schlussmann Henzler durchsetzen, der Takyi das Leder vom Fuß angeln konnte.

Holstein kassierte gegen St. Pauli erneut eine bittere Heimniederlage und viele der über 11.000 Zuschauer zeigten sich nach dem Abpfiff ebenso ratlos wie die erschöpften Akteure in Blau-Weiß-Rot. Der Traditionsverein von der Förde setzt sich weiter im unteren Tabellendrittel fest. Während die Störche nun auf eine Kehrtwende unter einer neuen sportlichen Leitung hoffen, zog Pauli-Coach Andreas Bergmann mit dem Auswärtssieg noch einmal den Kopf aus der Schlinge und gab mit dem Erfolg zumindest vom Resultat her die passende Antwort auf die herbe Kritik der letzten Wochen. (nawe)

Kiel: Henzler – Paulus, Molata, Boy, Heithölter – Niedrig – Grieneisen, Rohwer, Mikolajczak – Dobry, Kazior. Trainer: Thomforde.

FC St. Pauli: Borger – Lechner, Morena, Eger, Rothenbach – Braun, Takyi, Schultz, Boll – Luz, Bruns. Trainer: Bergmann.

Eingewechselt: 46. Bartels für Paulus, 65. Petersen für Heithölter, 81. Neubert für Kazior – 26. Arifi für Schultz, 65. Meggle für Boll, 87. Lange für Braun.

SR: Schriever (Otterndorf), Assistenten Hielscher, Bischof.

Gelbe Karten: Paulus, Molata, Mikolajczak, Rohwer – Schultz, Meggle, Luz

Gelb-Rote Karte: Mikolajczak (79., Foulspiel)

Zuschauer: 11.386 (ausverkauft)

Tore: 0:1 Takyi (40.) im Anschluss an einen Einwurf von Lechner, 0:2 Braun (60.) nach einem Konter, 1:2 Petersen (83.) per Kopf auf Vorarbeit Bartels.

Stimmen zum Nordderby:

Andreas Bergmann (Trainer St. Pauli): Meine Elf hat heute sehr gut agiert und wollte unbedingt gewinnen. Wir waren stets präsent, spielerisch besser und haben deshalb verdient gewonnen. Holstein war bei Standartsituationen brandgefährlich, wie auch beim Anschlusstreffer. Nun wollen wir auch vor heimischen Publikum punkten.

Klaus Thomforde (Interimstrainer Holstein Kiel): Wir wollten endlich unsere Heimschwäche überwinden und hatten uns viel vorgenommen. Natürlich konnten wir die spielerischen Defizite nach so kurzer Zeit nicht wettmachen. Deshalb wollte wir unsere Chance über Standartsituationen nutzen. Der Anschlusstreffer kam jedoch leider zu spät, so dass der Sieg für Pauli verdient war.

Philipp Heithölter (Holstein Kiel): In der ersten Hälfte haben wir gut dagegen gehalten, unglücklich das Gegentor kassiert und danach etwas verunsichert agiert. Am Ende haben wir noch einmal alles gegeben, doch leider hat es nicht gereicht.

Charles Takyi (St. Pauli): Wir haben heute Siegeswillen bewiesen und müssen diese gute Leistung auch in den kommenden Spielen umsetzen.

Patrick Borger (St. Pauli): Nach dem Kieler Anschlusstreffer waren wir plötzlich verunsichert. Da fehlte uns noch ein wenig die Souveränität. Die Atmosphäre im neuen Holstein-Stadion war hervorragend. Insgesamt geht der Sieg für uns in Ordnung und heute Abend kann ich endlich einmal entspannen.

(sh)

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