Wild at heart

Holstein Youngsters im Aufwind

Das macht Appetit auf die nächste Saison. Es war die 81. Minute im Testspiel gegen Hansa Rostock, als die beiden Youngster Tim Wulff und der gerade erst eingewechselte Sören Eismann, letzterer Spieler vor wenigen Wochen noch Leistungsträger im A-Junioren Bundesliga-Kader von Trainer Michael Bauer, die Herzen der Kieler Zuschauer höher schlagen ließen. Wulff traf nach sehenswerter Vorarbeit von Eismann zum vielumjubelten 2:3 und ließ das Stimmungsbarometer in ungeahnte Höhen ausschlagen. „Ein Riesending für mich. Besser konnte es für mich gar nicht kommen. Das war Gänsehaut pur“, sprudelte es nach dem Abpfiff nur so heraus aus dem 20-jährigen Torschützen, der es in der letzten Saison auf 25 Regionalliga-Minuten gebracht hatte. „Wir müssen weiter gut und konzentriert zusammenarbeiten und das verbessern, was heute noch nicht so geklappt hat“, gab es für Wulff aber absolut keinen Grund zum Abheben. „Zuschauer und Mannschaft arbeiten endlich wieder zusammen“, sah Wulff im neuen „Wir-Gefühl“ allerdings ein Pfund, mit dem man in Zukunft vielleicht endlich wieder wuchern kann im „Storchennest“.

Auch für den 19-jährigen Eismann, der seine Premiere im Trikot der 1. Mannschaft feiern durfte, wird es ein unvergesslicher Tag bleiben. „Das war mein bisher größtes Erlebnis als Fußballer. Gänsehaut feeling pur vor so einer Kulisse“, freute sich Eismann über seinen Einstand und gab zu, vor seiner Einwechslung „total heiß“ gewesen zu sein. „Ich fühlte mich nach der erfolgreichen Vorarbeit und dem Jubel im Stadion einfach überwältigend“. Der Thüringer, der sich in den nächsten zwölf Monaten „voll auf den Fußball konzentrieren und unter professionellen Bedingungen arbeiten möchte“ und daher nach Saisonende der A-Junioren Bundesliga seine Unterschrift unter den angebotenen 1-Jahres-Vertrag bei Holstein gesetzt hatte, gehörte gegen Rostock zu der Gruppe der „jungen Wilden“. Die ehemaligen Spieler der U23 und U19 sorgten mit ihrem „Feuer“ für außerordentlich viel Schwung auf dem grünen Rasen des Holstein-Stadions.

Der letztjährige U19-Kapitän Ole Werner, der bei seinem Einsatz ebenfalls zu überzeugen wusste, ließ sich von dem Hochgefühl aber keineswegs beirren: „Wir sind auf dem richtigen Weg, aber wollen uns natürlich weiter verbessern. Da ich in den vergangenen Tagen schwach trainiert habe, bin ich erleichtert, dass ich mich heute gut in das Team integriert habe.‘ Trainer Vollmann wollte das Engagement seiner Youngster nicht schmälern, aber auch nicht überbewerten. „Wir dürfen jetzt nicht überheblich werden und uns aus dem Konzept bringen lassen“, warnte Vollmann, der am Samstag die Trainingsintensität noch einmal mächtig anzog, um seine Mannschaft dann in den verdienten freien Sonntag zu schicken.

Auch in Zukunft will Peter Vollmann die Integration der jungen „Wilden“ bei den Störchen vorantreiben. Getreu dem Hit von Herbert Grönemeyer „Es bleibt alles anders“, wird „ganz klar nach Leistung aufgestellt“ und nicht nach Rang und Namen. Die Kritik, nach Bundesliga-Einsätzen und nicht nach Klasse aufgestellt zu haben, mussten sich einige Holstein-Trainer der Vereins-Historie in den letzten Jahren häufiger gefallen lassen. Damit soll es endgültig vorbei sein. Peter Vollmann kündigte schon nach dem Rostock-Spiel an, dass sich so manch ein Spieler gegen die Jungstörche noch mächtig strecken müsse in den nächsten Monaten, denn „Stammplätze werden hart umkämpft sein“ bei der neuen KSV. „Erst wenn der letzte Spieler verinnerlicht hat, um was es ab sofort bei Holstein geht, können wir wirklich davon sprechen, etwas aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben“, sieht der sportpsychologisch beschlagene Vollmann weiterhin Nachholbedarf bei seiner Mannschaft. Noch vier Wochen bleiben dem Kieler Trainer Zeit, um die bestmögliche Formation für das erste Heimspiel gegen Altona 93 zu finden. Überraschungen inklusive! (Patrick Nawe)

Foto: Sören Eismann (rechts) und Ole Werner hoffen auf eine erfolgreiche Holstein-Zukunft

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