Störche und Kleeblatt um die „Deutsche“

In der Saison 1925/1926 strömten die Zuschauer wieder zahlreicher zum Holsteinplatz

Am 6. Juni 1926, also vor 95 Jahren, fand das bislang bedeutendste Duell zwischen der Spielvereinigung Fürth und Holstein Kiel statt. Beide Teams trafen im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft aufeinander. Am Ende hatte das Kleeblatt die Nase mit 3:1 vorn.

Holstein ging als Norddeutscher Meister leicht favorisiert in das Spiel, hatten die Störche doch in der Meisterschaft nach vielen Jahren endlich mal wieder den großen Rivalen Hamburger SV auf den zweiten Platz verwiesen. Und die Fürther waren nur durch ein Hintertürchen in die Endrunde gerutscht. Als Dritter der Bayernliga war man eigentlich sportlich schon gescheitert, doch als süddeutscher Pokalsieger durfte man dann doch an der süddeutschen Endrunde teilnehmen. Dort wurde man dann hinter den Bayern Zweiter und lief dann bei der deutschen Meisterschaft zu großer Form auf.

Holstein hatte durch ein 8:2 zuhause gegen den Stettiner SC sowie ein 4:0 im Grunewaldstadion beim Berlin-Brandenburger Vizemeister SV Norden-Nordwest den Sprung in das Halbfinale geschafft. Die Fürther hatten den Südostdeutschen Vizemeister FC Viktoria Forst (5:0) und den Südostdeutschen Meister Breslauer SC (4:0) aus dem Weg geräumt. Nun kam es in Düsseldorf zum Nord-Süd-Gipfel zwischen Holstein und Fürth.

16.000 Zuschauer waren im Düsseldorfer Rheinstadion dabei, als Störche und Kleeblätter aufliefen. Und an diesem Tage waren die Fürther stärker als die Nordlichter. Düsseldorf sah ein selten gefährdetes 3:1 für die Franken. Und auch im Finale zeigte sich Fürth von seiner besten Seite. Mit dem 4:1 gegen Hertha BSC vor 40.000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion zeigte sich die SpVgg Fürth endgültig auf der Höhe ihrer Fußball-Kunst. Es war nach 1914 der zweite Titelgewinn für das Kleeblatt.

Auch international bewiesen die Fürther damals ihre Extraklasse: Auf der dritten Spanienreise besiegten sie wenige Monate nach dem Titelgewinn den ruhmreichen  FC Barcelona durch ein Tor von Ascherl mit 1:0. Es war der erste Sieg einer deutschen Mannschaft in Barcelona. Die SpVgg Fürth gehörte damals zu den besten Vereinsmannschaften Europas.

Aber auch Holstein war mit der Saison 1925/26 keineswegs unzufrieden. Erstmals seit 1912 war man wieder Norddeutscher Meister geworden, hatte den HSV hinter sich gelassen und nahm erstmals seit 1913 wieder an der „Deutschen“ teil. Darüber hinaus holten sich die Störche durch einen 3:1-Finalsieg gegen den Eimsbütteler TV den Nordpokal. Dennoch musste Trainer Revecz am Ende der Saison gehen, hatte er sich doch mit seiner rauen und derben Art Feinde gemacht in Kiel.

Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft 1926

SpVgg Fürth – Holstein Kiel 3:1 (1:0)

SpVgg Fürth: Hörgreen – Hagen, Ascherl, Kleinlein, Krauß, Leinberger, Müller, Auer, Franz, Seiderer, Weiß

Holstein Kiel: Passenheim – Lagerquist, Ohm, Werner, Lübke, Slebioda, Esser, Ritter, Schulz, Voß

Tore: 1:0 Andreas Franz Elfmeter), 2:0 Andreas Franz, 3:0 Konrad Kleinlein, 3:1 Oskar Ritter

Zuschauer: 16.000 im Düsseldorfer Rheinstadion

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