„Hier ist ja richtig was los!“

Die Neuzugänge

Teil 2: Michel Mazingu-Dinzey, 34, Angriff)

161 Spiele in den beiden deutschen Bundesligen, 18 A-Länderspiele für den Kongo sowie insgesamt 13 Jahre als Profifußballer in Deutschland – Holstein-Neuzugang Michel Mazingu-Dinzey kann auf eine bewegte Laufbahn zurückschauen und gibt sich trotz seiner zahlreichen Einsätze in der Eliteliga bar jeglicher Star-Allüren. Ein schnelles Foto zusammen mit Zeugwart Norbert Duffner, ein ausführliches Statement zu seinem Wechsel an die Förde, interessante Einblicke in das Innenleben eines Ex-St. Paulianers und schon ist man als Journalist bei einem vom sympathischen Kongolesen angebotenen „Du“ angelangt. Erst am Donnerstag hatte der 88-fache Erstliga-Spieler eine Einigung mit seinem Hamburger Arbeitgeber gefunden und einen Vertrag bei den Störchen unterzeichnet. Nicht ohne sich bei seinen Fans für die Unterstützung in den letzten drei Jahren beim FC St. Pauli gebührend zu bedanken. Pünktlich zum Auftakttraining am Freitag um 14.30 Uhr präsentierte sich der ehemalige Stuttgarter dann den rund 150 Kiebitzen auf der Bezirkssportanlage Kiel-Projensdorf. „Wir sind doch beim Fußball, da pokern die Vereine immer gerne ein bisschen“, war Trainer Peter Vollmann trotz der Verzögerung beim Wechsel schon vorher sehr zuversichtlich, seinen „Wunschspieler“ für die Offensive für zwei Jahre an die Förde locken zu können. Vor dem Sonntagstraining der Störche sprachen wir mit dem früheren Goalgetter von Eintracht Braunschweig und dem FC St. Pauli.

Holstein Magazin: Michel, wie sind Deine ersten Eindrücke?

Michel Mazingu-Dinzey: Erst einmal war ich doch sehr positiv überrascht, dass hier so viele Fans beim ersten Training waren. Mein ehemaliger Mitspieler Timo Schulz meinte noch Anfang der Woche, dass es in Kiel etwas ruhiger beim Training zugeht. Ich hatte das schöne Gefühl, dass die Leute hier an ihrem Verein glauben und es jetzt nach dem Abstieg genauso wissen wollen wie die Spieler.

Holstein Magazin: Du hast in der abgelaufenen Woche gleich zweimal ein so genanntes Auftakttraining mitmachen dürfen. Eine seltsame Situation?

Michel Mazingu-Dinzey: Beides waren schöne Erlebnisse. Bei St. Pauli war es ja so etwas wie eine Abschiedsvorstellung, ich hatte dort eine ganz tolle Zeit und werde dem Verein immer verbunden bleiben. Aber auch die gute Aufnahme in Kiel hat mich gefreut. Die Stimmung ist schon einmal ausgezeichnet.

Holstein Magazin: Bei Deinen letzten Stationen bist Du immer so etwas wie ein Publikumsliebling gewesen. Du scheinst bei den Fans gut anzukommen…

Michel Mazingu-Dinzey: Ich habe schon immer eine enge Zusammenarbeit mit den Fans angestrebt. Immerhin durchleben wir ja alle während der Saison Stresssituationen. Warum soll man da die Erfahrungen und Erlebnisse nicht austauschen. Außerdem glaube ich auch, dass die Fans in der momentanen Phase des Kennenlernens mit ein wenig Geduld viel bewirken können. Es wird ja anfangs noch nicht alles klappen auf dem Platz. Aber zwischen Mannschaft und Fans kann es eigentlich sofort passen. Ich bin gespannt…

Holstein Magazin: Du warst immer ein ausgesprochener Teamplayer, für einen Mittelstürmer ja nicht unbedingt zu erwarten…

Michel Mazingu-Dinzey: Erfolg werden wir nur gemeinsam haben. Und damit meine ich nicht nur die Mannschaft, sondern auch den Zeugwart, die Fans, den Präsidenten, die Sponsoren und alle Mitarbeiter des Vereins…

Holstein Magazin: Da schwingt eine ganze Menge St. Pauli-Philosophie mit in Deinen Worten, oder?

Michel Mazingu-Dinzey: Warum soll das, was am Millerntor seit Jahren hervorragend klappt, nicht in gewisser Weise für alle Vereine ein Erfolgsrezept sein? Vor allem ist Teamgeist etwas, das man sich mit Geld nicht kaufen kann, aber ebenso wichtig für den Erfolg ist wie spielerisches Potenzial. Vielleicht manchmal sogar noch wichtiger…

Das Interview mit Michel Mazingu-Dinzey führte Patrick Nawe

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