„Wollen Tabelle gerade biegen!“

Interview des Tages: Peter Vollmann

Nicht nur für Holstein Kiel ist die Partie gegen Hertha BSC II am Samstag um 14 Uhr richtungweisend. Auch die Bundesliga-Reserve der Berliner hofft, mit dem Spiel in Kiel die Weichen in Richtung Klassenerhalt stellen zu können. Beide Mannschaften trennen gerade einmal zwei Punkte. Und beide hatten sich vor der Saison mehr erhofft. Möglicherweise wird es am Ende ein Kampf zwischen den Störchen und den Berlinern um den letzten verbleibenden Nicht-Abstiegsplatz.

Die Holstein-Spieler werden sich nur ungern an das 0:3 im September erinnern, als die Berliner das klar bessere Team stellten. Aber auch der FC St. Pauli (3:0) oder der VfB Lübeck (1:0) lernten die Stärken der Elf von Trainer Karsten Heine kennen. Vor der so wichtigen Partie gegen die Berliner Perspektivelf sprach das Holstein Magazin mit KSV-Coach Peter Vollmann.

Holstein Magazin: Herr Vollmann, wie ist die Personalsituation bei ihren Störchen vor dem Spiel am Samstag?

Peter Vollmann: Es sieht ganz gut aus. Thorsten Rohwer ist am Donnerstag wieder ins Training eingestiegen, Kapitän Andre Breitenreiter bereits am Mittwoch. Beide werden wohl einsatzbereit sein. Ein größeres Fragezeichen steht allerdings noch hinter Frank Paulus. Ansonsten muss ich sagen, dass es bei uns endlich wieder besser aussieht. In der Woche hatte ich 22 Feldspieler im Training. Jan Sandmann und auch Michael Niedrig haben sich in der 2. Mannschaft empfehlen können. Auf beide werden wir sehr bald wieder bauen können. Es scheint so, als ob wir derzeit ein Überangebot an guten Abwehrspielern haben. Das eröffnet mir viele interessante Möglichkeiten. Nur noch die Langzeitverletzten Molata, El Kasmi und Heithölter fehlen uns jetzt.

Holstein Magazin: Wird es gegen Berlin Umstellungen im Team geben?

Peter Vollmann: Wenn man in Bremen gewinnt und eine sehr ordentliche Leistung abliefert, dann sollte man am Grundgerüst festhalten und das erworbene Selbstvertrauen mit in die nächste Partie nehmen. Die Spieler haben sich ja auch durch ihr Auftreten eine weitere Chance verdient. Es wäre kontraproduktiv die Mannschaft jetzt auf vier oder fünf Positionen zu verändern, nur weil der Gegner Hertha BSC Berlin heißt. Allerdings lasse ich mir immer einige taktische Veränderungen offen. Ferner muss ich immer auch Spiel und Trainingseindrücke miteinander verbinden, eine Stimmigkeit zwischen Personal und Taktik herstellen.

Holstein Magazin: Wie gestaltet sich der Umgang mit eventuellen Härtefällen bei der Kaderzusammenstellung?

Peter Vollmann: Ich entscheide mich ja nicht für oder gegen einen Spieler, sondern immer nur für die Mannschaft. Danach müssen sich die Spieler alle richten. Der Blick gilt nur Holstein Kiel und dem Klassenerhalt. Betroffene Spieler müssen sich im Sinne der Sache verhalten und unpopuläre Entscheidungen akzeptieren. Persönliche Dinge müssen da hinten anstehen, da wird man als Trainer in so einer Situation kaum Rücksicht drauf nehmen können. Ich denke mal, dass niemand davon begeistert ist, nicht im Kader zu stehen, aber jeder wird rechtzeitig vorher mit der passenden Begründung informiert und nicht erst kurz vor dem Spiel. Wenn es dennoch Theater geben sollte, dann werden wir so etwas ganz schnell regeln. So etwas habe ich hier bei Holstein allerdings noch nicht erlebt.

Holstein Magazin: Wie wollen sie gegen Hertha eine anfängliche Schwächeperiode von 30 Minuten wie gegen Bremen verhindern?

Peter Vollmann: Wir müssen einfach schneller die Zuordnung finden. Von Beginn an müssen wir über die Zweikämpfe kommen. Von der 1 Sekunde an muss es stimmen. Das A und O wird wieder ein gesundes Defensivverhalten sein, so gewinnen wir unsere Spiele.

Holstein Magazin: Oftmals wird vor solchen Begegnungen von den so genannten 6-Punkte-Spielen gesprochen…

Peter Vollmann: Man muss den Druck ja nicht unnötig erhöhen. Es gibt auch gegen Hertha nur drei Zähler zu holen. Warum sollen wir mit einem zusätzlichen Rucksack in das Spiel gehen? Sicherlich werden wir – genau wie die Berliner – alles daran setzen, um die Partie für uns zu entscheiden. Aber aus psychologischer Sicht ist es Unsinn, von einem 6-Punkte-Spiel zu sprechen. Wir müssen einfach nur darauf schauen, welche Perspektiven sich uns beim Klassenerhalt bieten. Das sollte als Motivation ausreichen, um Kraft, Moral und Willen zu zeigen.

Holstein Magazin: Wie groß sind die Parallelen zu ihrer „Rettungsaktion“ vor drei Jahren?

Peter Vollmann: Vor drei Jahren habe ich ähnlich gedacht. Fragen sie mich nicht nach der Zeit nach dem 2. Juni. Da ist jetzt gar kein Thema, denn ich denke von Spiel zu Spiel und versuche die Tendenzen jeder Partie zu erkennen. Je früher wir uns gerettet haben, umso besser für uns alle. Aber wir müssen im schlimmsten Fall damit rechnen, dass die Entscheidung am letzten Spieltag fallen könnte. Und bis dahin versuche ich 100% bei der Sache zu sein und an allen Ecken und Enden Eifer und Arbeitszeit zu investieren.

Holstein Magazin: Wagen sie einen Tipp für das Spiel?

Peter Vollmann: Neuerdings sind in Deutschland solche Aussagen ja sogar verboten. Daran halte ich mich sicherlich auch. Aber es ist doch ganz klar, dass wir die Tabelle so schnell wie möglich gerade biegen wollen…

Das Interview mit Peter Vollmann führte Patrick Nawe

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