Ein Team - Ein ziel: Holstein Kiels weg im dfb-pokal 2020/21

“Der Pokal hat seine eigenen Gesetze!” – Auch wenn dieser Satz abgedroschen klingt, so hat er doch seine Berechtigung. In dieser Saison hat die Mannschaft von Holstein Kiel schon mehrfach bewiesen, dass es in jeder Runde eine neue Chance auf den großen Traum gibt. Egal, ob gegen einen unterklassigen Gegner oder eine scheinbar übermächtige Spitzenmannschaft: Der Pokal bietet mindestens 90 Minuten Adrenalin pur  und dank des K.O.-Modus gibt es am Ende stets einen Sieger! Verfolgt hier unseren Weg im DFB-Pokal und unterstützt das Team – denn auch wenn immer noch keine Fans ins Stadion dürfen, wir spüren euren Support.

Der DFB-POKAL 2020/21

Der DFB-Pokal ist in jeder Saison ein Highlight für die Mannschaft im Wettbewerb. Jedes Team hat die Chancen, den Weg bis nach Berlin zu gehen und immer wieder gibt es Überraschungen, mit denen kein Experte oder Fan gerechnet hat. In dieser Saison waren es sicher die Mannschaften aus Essen, Regensburg und Kiel, die mit ihren Erfolgen gezeigt haben, dass am Ende nicht immer die höherklassige Mannschaft als Sieger vom Platz geht.

Mit dem Sieg in Essen haben wir jetzt schon Geschichte geschrieben. Auf dem Weg nach Berlin wartet jetzt aber ein richtiger Brocken. Im Halbfinale kommt es zum Aufeinandertreffen mit Borussia Dortmund. Aber nach dem dem Sensationssieg gegen Bayern München könnte es für die KSV ja auch hier zu einer Überraschung kommen und dann wäre der Weg nach Berlin frei. Aber dafür müssen die Störche erst einmal 90 Minuten in Dortmund erfolgreich überstehen und das natürlich als der klare Underdog!

Hier die Übersicht der Halbfinalbegegnungen:

Werder Bremen – Leipzig
Borussia Dortmund – Holstein Kiel

Euer support für unser Team - Auf geht´s holstein!

Gerade jetzt, ohne Fans im Stadion, sind wir auf eure Unterstützung angewiesen. Danke für die Treue und die Grüße! Die Jungs freuen sich über den virtuellen Rückenwind und werden Gas geben, um Geschichte zu schreiben. 

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Road to dortmund

Erlebt hier noch einmal die Stationen auf dem Weg ins DFB-Pokal-Viertelfinale!

Runde 1: 

Im ersten Pflichtspiel der neuen Spielzeit machte Holstein Kiel am 13. September den Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals perfekt. Die Störche gewannen im eigenen Stadion gegen den baden-württembergischen Oberligisten 1. FC Rielasingen-Arlen mit 7:1 (5:1).  Am Ende waren alle Spieler froh, dass es nach dem Führungstor der Gäste aus Kieler Sicht doch noch ein erfolgreicher Nachmittag wurde.
Fin Bartels: “Wir mussten uns nach dem frühen Gegentor kurz schütteln. Das darf in Zukunft nicht passieren. Danach haben wir es aber solide und konzentriert gespielt. Dementsprechend war die klare Führung zur Pause verdient.” Mehr Infos hier.

Runde 2:

Am 13. Januar gelang Holstein Kiel die Sensation: Die Störche siegten gegen den amtierenden Titelverteidiger FC Bayern München in der 2. Runde des DFB-Pokals mit 8:7 (1:1, 2:2) nach Elfmeterschießen. Im Kieler Holstein-Stadion konnte das Team von Ole Werner zwei Rückstände ausgleichen und behielt dann im Elfmeterschießen die Nerven. 

Dort trafen die ersten fünf Schützen beider Teams, bis KSV-Torhüter Ioannis Gelios den Elfmeter von Marc Roca hielt. Danach trat Fin Bartels an und versenkte sicher, der folgende Jubel kannte keine Grenzen. Zehn Jahre nach der letzten Pokalserie der Kieler meldete sich der Holstein-Geist zurück und bescherte Spielern und Fans einen unvergesslichen Abend. Mehr Infos hier.

 

Achtelfinale: 

Die KSV besiegte am 2. Februar im Achtelfinale den Ligakonkurrenten SV Darmstadt 98 mit 8:7 nach Elfmeterschießen. In der regulären Spielzeit hatte Janni Serra die Störche in Führung gebracht, die Serdar Dursun anschließend ausglich.

Die Entscheidung fiel erneut im Elfmeterschießen. Mit Marvin Mehlem und Hauke Wahl verschossen die ersten Schützen beider Teams, die folgenden acht Akteure trafen. Nachdem Ioannis Gelios gegen Mathias Honsak parierte, scheiterte Niklas Hauptmann an Marcel Schuhen. Nicolai Rapp und Mikkel Kirkeskov trafen, ehe Tim Skarke links daneben schoss. Simon Lorenz trat zum finalen Elfmeter an – und versenkte diesen im linken Eck. Mehr Infos hier

 

Der KSV ist Historisches gelungen. Die Störche siegten im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Regionalligist Rot-Weiss Essen mit 3:0 (2:0) und zogen erstmals in ihrer Vereinsgeschichte ins DFB-Pokal-Halbfinale ein.
Alexander Mühling brachte die Kieler per Foulelfmeter in Führung, die Janni Serra umgehend ausbaute. Den Endstand besorgte Joshua Mees kurz vor Schluss.

So stand am Ende dank der großen Effektivität der Kieler der Halbfinaleinzug im DFB-Pokal fest. Aber auch die Essener können trotz der Niederlage mit etwas Abstand sicherlich stolz auf ihre diesjährige Pokalbilanz, mit Siegen gegen Arminia Bielefeld, Fortuna Düsseldorf und Bayer Leverkusen, sein. Mehr Infos zum Spiel von Holstein Kiel gegen Essen finden Sie auch noch einmal hier.

Rückblick DFB-Pokal 2012

Regionalligist Holstein Kiel traf 2012 auf das europäische Spitzenteam Borussia Dortmund

Die Saison 2011/12 brachte für die Kieler Störche und die KSV-Fans ein bis heute unvergessenes Pokalmärchen. Durch die Siege gegen die höherklassigen Teams aus Cottbus (3:0), Duisburg (2:o) und Mainz (2:0) zog Holstein sensationell in das DFB-Pokal-Viertelfinale ein. Und dann zog die Losfee für die KSV den damals dicksten Fisch aus dem Lostopf.

Spätestens seit dem Einzug der Kieler „Himmelsstürmer“ in das DFB-Pokal-Achtelfinale wurde die Problematik einer fehlenden Rasenheizung zum Dauerbrenner-Thema. Die Perspektive, das Pokal-Spiel gegen Mainz aufgrund schwieriger Rasenbedingungen während der kalten und nassen Jahreszeit  nicht im Storchennest austragen zu können, trieb den eingefleischten KSV-Fans den Angstschweiß auf den Rücken, war doch die phantastische Stimmung auf dem gerade erst hundert Jahre alt gewordenen Holsteinplatz ein Garant dafür, dass selbst angriffslustige und vor allem höherklassige Ex-Pokal-Halbfinalisten wie Cottbus und Duisburg aus der Landeshauptstadt gejagt werden konnten – eine zünftige Pokalklatsche im Gepäck. Und das Faustpfand Heimstärke wollten die Verantwortlichen des Kieler Traditionsvereins genauso wenig abgeben, wie die Möglichkeit, durch die Austragung der Schlagerspiele gegen Halle und Mainz dem treuen und begeisterungsfähigen Fußballpublikum in Kiel und Schleswig-Holstein für die tolle Unterstützung der vergangenen Monate zu danken. Doch guter Rat war teuer. Nur eine konzertierte Aktion im Vorfeld der Spiele konnte den großen Traum vom „Wintermärchen“ im Holstein-Stadion aufrechterhalten.

„Wir werden alles daran setzen, um im Dezember Spitzenfußball in Kiel anbieten zu können, das sind wir unseren Fans schuldig“, so KSV-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke kurz nach der Achtelfinal-Auslosung im November. Uns Schwenke hielt Wort. Auf der Suche nach einer Lösung für unvorhergesehene Wetterumschwünge und Kälteeinbrüche jeder, Art erinnerte sich Holsteins Sportlicher Leiter Andreas Bornemann an  den Prototypen eines „Klimazeltes“, der bereits im Mutterland des Fußballs erfolgreich eingesetzt und im Frühjahr in der Hamburger imtec-Arena getestet worden war. Was für das Wembley-Stadion oder auch die 100.000-Mann-Rugby-Arena in Twickenham gut ist, das kann ja für das altehrwürdige Holstein-Stadion nicht ganz schlecht sein, dachte man sich. Meinolf Meier von der Firma Agentur „M“ Sports, international aktiver „Einsatzleiter“ beim Bau futuristisch anmutender, klimatisierter Zeltkonstruktionen enormen Ausmaßes, machte sich beim ersten Ortstermin schnell ein Bild von den Bedingungen an der Förde. „Tolle Kommunikation und Teamgeist bei allen beteiligten Gewerken überzeugten uns alle von der Machbarkeit“, erinnert sich Meier gern an die Entschlussfreudigkeit aller aktivierten Kräfte. Immerhin musste Platz für einen 4800 Liter-Gastank gefunden, eine „sattelfeste“ Verankerung für die mehr als 6000 Quadratmeter große Plane installiert und der Schulterschluss hoch motivierter Unternehmen, der Stadtwerke Kiel sowie der Landeshauptstadt Kiel vollzogen werden. Das Kieler Fußballmärchen konnte also weitergehen.

Was folgte waren der traumhafte Wahnsinn gegen Mainz sowie der Einzug in das DFB-Pokalviertelfinale. Dort wartete niemand Geringeres als der Deutsche Meister Borussia Dortmund. „Ein absoluter Traum, dass wir hier gegen Götze, Kagawa und Co. spielen dürfen“, war Kapitän Christian Jürgensen nach dem Ergebnis der Auslosung begeistert und gab ein Geheimnis preis: „Ich habe in meinem Kleiderschrank etliche BVB-Trikots, allerdings nur Modelle mit Kalle Riedle.“ Der Ex-Torjäger ist längst Geschichte bei der Borussia. Nun wollte Jürgensen mit den Störchen Geschichte schreiben. Auch Tim Siedschlag zeigte sich euphorisch: „Dortmund hat in dieser Saison schon in London, Marseille und Piräus gespielt – jetzt werden sie auch Kiel kennenlernen!“ Und Holstein-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke rundete ab: „Ein absolutes Traumlos. Wir sind unglaublich froh, dem Kieler Publikum den amtierenden Deutschen Fußballmeister präsentieren zu können.“

In Dortmund reagierte man mit dem sportlichen Understatement gegenüber Holstein Kiel. Nach den kurzen Irritationen um Zwischenrufe einiger Holstein-Spieler während der Pokalauslosung, kehrte die BVB-Führungsetage nach der Kieler Entschuldigung gleich wieder zum sportlichen Event zurück. „Wir kennen Kiel und wissen, dass es sich keinesfalls um einen Regionalligisten sondern eher um einen Dritt- oder gar Zweitligisten handelt“, sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zum ungewöhnlichen Gegner des Pokal-Viertelfinals. Darüber hinaus hatte Watzke noch andere Erinnerungen an die Landeshauptstadt: „Ich war mal in den 70er Jahren auf Klassenfahrt in Kiel. Mal schauen was ich noch kenne.“ BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte schon vor der Auslosung des Achtelfinals gesagt, dass er nur ungern in Kiel spielen würde. Angesichts der Platzverhältnisse an der Förde würde ein Duell zur Glückssache werden.

Schon die Vorbereitungen auf das Duell David gegen Goliath hatte Kiel wohl so noch nicht gesehen. Die Situation erinnerte an Belagerungszustände. Stundenlang standen die Fans für die heiß begehrten Eintrittskarten vor dem Ticketcenter, manch einer übernachtete sogar bei Minusgraden vor der Eingangstür. Über 40.000 Karten hätten gegen den Deutschen Meister aus Dortmund abgesetzt werden können, hieß es, doch nur 11.522 Zuschauer durften sich am Ende über ein „Jahrhundert-Ticket“ freuen. Aber auch intern herrschte Ausnahmezustand. 60 Pressevertreter nutzten jede Gelegenheit, mit Trainer Thorsten Gutzeit und der Mannschaft in Kontakt zu kommen.

Das ungleiche Duell zwischen Viertligist und Deutschem Meister verlief dann allerdings erwartungsgemäß ungleich, auch wenn das der Partystimmung kaum Abbruch tat. Die Störche versteckten sich nicht, kombinierten gefällig und lieferten bis kurz vor Schluss einen echten Kampf ab. Aber Dortmund zeigte, dass sie aktuell das Maß der Dinge im deutschen Fußball sind. Am Ende siegte der BVB durch die Treffer von Lewandowski (11.), Kagawa (18.), Barrios (80.) und Perisic (87.) mit 4:0. Und erstmals musste der bis dahin im Wettbewerb von Gegentoren verschont gebliebene „00-Jensen, mit der Lizenz für die blütenweiße Pokalweste“ (KN) hinter sich greifen und als Verlierer vom Platz gehen. Die einzige Heimniederlage der Störche in der Saison 2011/12 übrigens.

Das kicker Sportmagazin zog nach dem bedeutungsschwangersten Holstein-Spiel seit dem Finale um die Deutsche Meisterschaft 1912 ein treffendes Fazit: Der Deutsche Meister sorgte früh für klare Verhältnisse gegen wackere Kieler, die am Ende auch aufgrund von drei zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen unter Wert geschlagen wurden.

Meistertrainer Jürgen Klopp ging nach dem Schlusspfiff durch die Reihen, klatschte die eigenen Spieler ab, aber auch anerkennend die Kollegen aus Kiel („Sykora ist ein Spieler mit überragenden Fähigkeiten“, O-Ton Klopp), um im Anschluss doch noch einen schlechten Gewinner abzugeben. In Interviews betonte er immer wieder, dass man auch nicht Eishockey auf Rasen spiele. Zugegeben: Der Boden war durch die Eiseskälte gefroren, aber beide Teams hatten sich den Verhältnissen angepasst und einen sehenswerten Pokalfight abgeliefert. Die Bemühungen der KSV Holstein, das Spiel auf jeden Fall stattfinden zu lassen, honorierte der BVB-Trainer nicht. Dabei hatten die Kieler erneut das beheizbare Riesenzelt über der gesamten Spielfläche aufgespannt und extra einen neuen, kostspieligen Rollrasen verlegt.

Auch bei ARD-Moderator Gerhard Delling ließ Klopp Dampf ab. Es solle doch keiner glauben, dass ein Schiedsrichter kurzfristig ein solches Spiel absage, wenn alle Kameras für die Liveübertragung aufgebaut seien. Delling, ehemaliger defensiver Mittelfeldspieler von UT Kiel, fand wie andere Fernsehvertreter die Offensive des BVB-Coaches wenig amüsant. Die Dortmunder Kritik war aber auch der einzige leichte Beigeschmack eines sonst zu köstlichen Kieler Pokalmärchens.

Weniger kritisch ging Klopp mit den Kieler Fans um. Deren Gesang, „Wir sind besser als der HSV“ in Anspielung auf das Dortmunder 5:1 im Volkspark zwei Wochen zuvor beurteilte er als amüsant. Gerhard Delling und sein ARD-Teamkollege Mehmet Scholl äußerten sich schon vor dem Spielbeginn positiv über den Regionalligisten und waren auch von der Stimmung im Holstein-Stadion angetan: „Mit diesem fantastischen Publikum im Rücken kann es für Dortmund schwer werden“, mutmaßte der ehemalige Dribbelkünstler des FC Bayern München vor dem Anpfiff. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung brachte es am Tag nach dem Viertelfinale auf den Punkt: „Die Fans feierten ihr Team wie potenzielle Meister-Besieger und erwärmten sich im Kieler Kühlschrank durch lautstarke Gesänge.“

Holstein Kiel blamierte sich nicht, hätte sogar in der 8. Spielminute durch Marc Heider in Führung gehen können. Und ob nun im Stadion oder daheim vor dem Fernseher, die Störche haben den Zuschauern Spaß gemacht. Auf der anschließenden Pressekonferenz lobte dann auch Meistertrainer Jürgen Klopp den wackeren Regionalligisten: „Wir haben den Gegner richtig eingeschätzt: Mutig, spielstark, sehr schnell im Umschalten. Kompliment an Kiel für diese großartige Fußballmannschaft. Trainer und Club machen hier hervorragende Arbeit.“

Steve Müller, im Achtelfinale gegen den FSV Mainz 05 noch Torschütze und Matchwinner, schwärmte trotz der deutlichen Niederlage: „Wir haben einen tollen Fight geliefert und können stolz auf unsere Leistung sein. Dortmund hat aufgrund seiner Klasse verdient gewonnen, letztlich ist das Ergebnis aber um zwei Tore zu hoch ausgefallen.“ Holstein-Präsident Roland Reime zeigte sich von dem Spiel ebenfalls sehr angetan: „Das war Werbung für den Fußball. Zwei starke Mannschaften, großartige friedliche Fans – so muss Fußball sein. Wir Kieler können stolz auf diese Mannschaft der KSV Holstein sein. Sie hat – heute wie im gesamten Pokalwettbewerb – Tolles geleistet.“ Und nahezu sechs Millionen Fans waren an den Fernsehbildschirmen Augenzeuge des größten medialen Ereignisses der Kieler Fußballgeschichte.