Der lange Weg zurück auf den Platz

Marco Komenda (li.) und Ahmet Arslan haben seit Monaten hart für ihr Comeback gearbeitet. Arslan war im Testspiel gegen Havelse am 5. Januar erstmals wieder im Einsatz

Auch wenn es natürlich die Hoffnung eines jeden ist, möglichst gesund zu bleiben, ist man als Fußballprofi natürlich nie davor gefeit, sich eines Tages schwerer zu verletzen. Genau dieses Schicksal ereilte Ahmet Arslan und Marco Komenda im Frühjahr und Sommer letzten Jahres. Seitdem arbeiteten beide intensiv an ihrem Comeback, welches Arslan schließlich am 5. Januar im Testspiel gegen den TSV Havelse feiern konnte.

10. Mai 2021, Nachholspiel gegen Hannover 96: Während eines Sprintduells bleibt Ahmet Arslan unglücklich im Rasen hängen und verdreht sich das Knie. „Ich hatte richtig Schmerzen, deswegen wusste ich eigentlich direkt, dass es etwas Schlimmeres sein muss“, blickt Arslan zurück. Und tatsächlich bestätigte die MRT-Untersuchung am nächsten Tag dieses ungute Gefühl. Die Diagnose: Kreuzbandriss. „Es klingt jetzt vielleicht sehr dramatisch, aber für mich ist damit wirklich eine Welt zusammengebrochen. Es war ein richtiger Schock“, erinnert sich der 27-Jährige. Tage der Tränen und Fassungslosigkeit folgten. Arslan befand sich vor der Verletzung in bestechender Form. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt folgt der herbe Rückschlag. Doch gerade daraus zog der Mittelfeldspieler seine Motivation: „Ich wusste schnell, dass ich genau an diese Leistung anknüpfen will und dass ich dafür etwas tun muss, denn von nichts kommt nichts.“

Für Arslan war es jedoch eine komplett unbekannte, neue Situation, denn außer einiger Wehwehchen blieb er zuvor gänzlich ohne Verletzungen. „Meine Freunde und Familie waren in dieser Phase sehr hilfreich. Einerseits um mich zu unterstützen, anderseits auch um mich auf andere Gedanken zu bringen. Zudem ist für mich auch mein Glaube ein sehr großer Halt. Ich versuche Dinge immer positiv zu sehen und denke, dass mich die Verletzung reifer und geduldiger gemacht hat, was zwei wichtige Punkte im Leben sind“, weiß der Offensivakteur. „Am Anfang habe ich meine Trainer und Kollegen verrückt gemacht, wollte wissen, ob ich den Heilungsprozess irgendwie beschleunigen kann, sei es mit Ernährung oder zusätzlichen Einheiten. Rückblickend habe ich mich damit viel zu lange aufgehalten. Ein befreundeter Spieler hat zu mir gesagt: Es ist nicht wichtig, wann du zurückkommst, sondern wie du zurückkommst. Diesen Satz habe ich mir sehr zu Herzen genommen. Ich denke für mich und auch für das Team ist es sinnvoller, erst dann wieder zu spielen, wenn ich zu 100 Prozent schmerzfrei und fit bin, um direkt wieder die bestmögliche Leistung abzurufen“, so der Rechtsfuß. Beim Testspiel gegen den TSV Havelse gab Arslan nun nach der langen Reha-Zeit sein Comeback, als er zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. „Ich bin sehr froh, nach acht Monaten wieder gespielt zu haben. Mein Knie hat gehalten, sodass ich in die Zweikämpfe gehen konnte. Das gibt mir Sicherheit“, freute sich der Rückkehrer.

Auch für Marco Komenda ist die Rückkehr in den aktiven Kader so langsam wieder in greifbarer Nähe. Der Innenverteidiger zog sich am 25. Juli beim Saisonauftakt gegen St. Pauli am Millerntor einen Mittelfußbruch zu, als er kurz vor der Halbzeit mit dem linken Fuß umknickte. Für den 25-Jährigen war es genau wie für Arslan die erste schwere Verletzung der Karriere und auch die erste Operation. „Wenn ich sonst mal etwas hatte, fiel ich maximal drei bis vier Wochen aus. Dieses Mal hat es mich leider schwerer getroffen“, sagt Komenda. „Vor allem die ersten Wochen nur auf Krücken waren hart für mich, weil ich fast überhaupt nichts alleine machen konnte – nicht mal Kaffee holen“, erinnert sich der gebürtige Darmstädter, der in dieser Zeit im Alltag von seiner Freundin und seinem Vater umsorgt wurde. Ein langer Weg bis zum Comeback stand bevor, doch der Linksfuß ließ sich nicht unterkriegen. „Der erste große Schritt für mich war, als ich die Krücken ablegen konnte. Das fühlte sich übertrieben gesagt in den ersten Stunden an, als würde man wieder neu lernen zu gehen“, blickt Komenda zurück. Es folgte das Rehatraining, das den Innenverteidiger oft an seine Grenzen brachte. „Das Rehatraining war neu für mich und super anstrengend. Das hätte ich vorher gar nicht gedacht. Es ist täglich viel mehr Aufwand und Arbeit. Da ist man statt drei Stunden gut und gerne sieben Stunden beschäftigt“, erklärt Komenda. Immerhin eine positive Sache konnte der Defensivspezialist der Verletzungsphase abgewinnen: „Man lernt es viel mehr wertzuschätzen, fit zu sein und ganz normal trainieren zu können. Aber nochmal muss ich so eine Verletzung trotzdem nicht haben.“ Nun hofft der Linksfuß, ähnlich wie Leidensgenosse Arslan schon bald wieder im KSV-Trikot auflaufen zu können.

Die Freude über die Rückkehr des langzeitverletzten Arslan auf den Platz beim Test gegen Havelse war im KSV-Lager jedenfalls riesengroß. Gleiches gilt, wenn auch Komenda erstmals wieder für die Störche aufläuft – und sich erneut zeigt, dass sich die harte Arbeit gelohnt hat.

Arslans Comeback im Test gegen den TSV Havelse:

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