Treffen mit einem „Fußballgott“

Alexander Mühling und Jae Sung Lee kämpfen am „Böllenfalltor“ mit der Darmstädter Verteidigung um den Ball

1. Der Verein: Der SV Darmstadt 98 wird aufgrund der Lilie im Darmstädter Stadtwappen als auch im Logo des Vereins „Die Lilien“ genannt. Die Fußballer tragen ihre Heimspiele im Merckstadion am Böllenfalltor aus. Die 98er entstammen zwei unterschiedlichen Lagern. Ihr älterer Vorgängerverein, der FK Olympia, wurde in elitären Gymnasiastenkreisen gegründet. Der andere, der DSC 05, war der Club der Volksschüler und Handwerker. Seit 1919 bilden beide den SV 98. Trotz renommierter Trainer konnte sich Darmstadt zur Zeit der Weimarer Republik nie im Spitzenfußball etablieren. Auch nach dem Krieg blieb es bei nur einem Jahr in der erstklassigen Oberliga Süd (1950/51).

2. Alte Bekannte: Am Sonntag um 13.30 Uhr gastiert Holstein Kiel bei Darmstadt 98. Dabei kommt es nicht nur zum Wiedersehen mit Holsteins ehemaligem „Fußballgott“ Patrick Herrmann, der von 2011 bis Januar 2019 das Störche-Trikot trug und mit Holstein 2013 den Drittliga- und 2017 den Zweitliga-Aufstieg feierte, sondern auch mit Aufstiegstrainer Markus Anfang, der seit Sommer 2020 auf der Bank der Lilien sitzt. Der frühereBundesliga-Profi (Schalke, Kaiserslautern, Duisburg) soll Darmstadt in höhere Regionen führen. Und nicht zu vergessen Carsten Wehlmann. Der ehemalige Torwarttrainer und Chefscout der Störche ist seit 18. Februar 2019 Sportlicher Leiter am Böllenfalltor. Mit Mathias Honsak, Aaron Seydel und Fabian Schnellhardt stehen drei weitere Akteure in den Reihen der Südhessen, die auch schon das Trikot der Störche trugen.

3. Erfolge: Die größten Erfolge der Lilien waren ohne Zweifel die drei Aufstiege in die 1. Bundesliga 1978 (Trainer Lothar Buchmann), 1981 (Werner Olk) und 2015 (Dirk Schuster). Ferner gelang 2014 unter Dirk Schuster der Aufstieg in die 2. Bundesliga und 1974 unter Trainer Udo Klug die Qualifikation für die neu eingeführte 2. Liga Süd. Der größte Erfolg im DFB-Pokal war der Einzug ins Viertelfinale in der Saison 1986/87. In der Ewigen Bundesligatabelle belegen die Darmstädter Platz 40. In der Ewigen Tabelle der 2. Bundesliga rangiert Darmstadt auf Platz 9.

4. Stadion: Die Lilien tragen ihre Heimspiele am traditionsreichen Merck-Stadion am Böllenfalltor aus, benannt nach Pappeln, den sogenannten Böllen. Der Rest des Namens leitet sich – abgesehen vom Sponsor Merck – von einem ehemaligen (selbst zufallenden) Tor ab, das den Zugang zum nahe gelegenen Wald ermöglichte und das sich in unmittelbarer Umgebung des heutigen Stadions befand. Durch die Erweiterungen von zwei mobilen Stahlrohrtribünen im Herbst 2016 in der Nord- und Süd-Kurve erhöhte sich die Kapazität auf 17.468 Plätze. Mit dem Abriss der altehrwürdigen Haupttribüne hat im August am Böllenfalltor die finale Umbauphase begonnen. Im November startete der Rohbau für die neue 23,7-Millionen-Euro-Haupttribüne mit rund 2.900 Plätzen inklusive 19 Logen und 850 bis 900 Business-Seats. Die Gesamtkosten für den Stadionumbau inklusive der Gegentribüne und umfassender Umfeldmaßnahmen betragen 46,7 Millionen Euro. Die Fertigstellung ist zum Beginn der Saison 2022/23 geplant.

5. Kultspiel: Im Mai 1973 kam es in der damals zweitklassigen Regionalliga Süd zu einem denkwürdigen Spiel gegen den 1. FC Nürnberg, der am heimischen Böllenfalltor vor über 20.000 Zuschauern mit 7:0 geschlagen wurde. Die Lilien waren erstmals Süddeutscher Meister. In der Aufstiegsrunde zur 1. Bundesliga wurde die Mannschaft schließlich Zweiter hinter RW Essen und verpasste somit den Aufstieg. In der folgenden Spielzeit schaffte der SV 98 die Qualifikation für die neu geschaffene 2. Bundesliga.

6. Statistik: Achtmal trafen die Störche und die Lilien bislang in Punktspielen aufeinander. Sechsmal in der 2. Bundesliga und zweimal in der 3. Liga. Bislang spricht die Bilanz für die Elf vom Böllenfalltor. Dreimal setzte sich Darmstadt 98 durch, zweimal hieß der Sieger Holstein Kiel und dreimal trennten sich beide Teams mit einem Unentschieden. Die wichtigste Partie aus Sicht der Störche fand am 10. Mai 2014 am „Bölle“ statt, als sich die Störche durch einen 3:1-Sieg den Klassenerhalt in der 3. Liga sicherten.

 

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